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Was ist Schmerz?
2. Zentralnervöse Weiterleitung und Verarbeitung
Vertebraten besitzen ein neuronales nozizeptives System, das drohende und aktuelle Gewebeschädigungen anzeigt und Abwehrreaktionen auslöst.
Noxische Reize sind Reize, die gewebeschädigend oder potentiell gewebeschädigend sind. Sie lösen vegetative, v.a . sympathische Reflexe aus.
Die Aufnahme, Weiterleitung und Verarbeitung noxischer Information durch das periphere und zentrale Nervensystem wird als Nozizeption (objektive Sinneswahrnehmung) bezeichnet. Nozizeption ist die Aktivität der peripheren/zentralvenösen Neuronengruppen, die zu Schmerz (subjektive Sinneswahrnehmung) führen kann. Der Schmerz hingegen ist ein Bewusstseinszustand.
Die Haut besitzt Schmerzpunkte. Dies ist ein eindeutiger Hinweis, dass der Schmerz über eigene Sensoren, die Nozizeptoren verfügt.

2. Zentralnervöse Weiterleitung und Verarbeitung
Im Rückenmark enden die nozizeptiven Afferenzen
an Neuronen des Hinterhorns.
Von dort aus ziehen Bahnen in Richtung Hirnstamm.
Dort vereinigen sie sich mit den
nozizeptiven Afferenzen aus dem Kopfbereich
auf dem Weg zum Thalamus .
Eine wesentliche Voraussetzung für das bewusste
Schmerzerlebnis ist die Aktivierung
der aufsteigenden Bahnen nozizeptiver Neurone
im Thalamus und Kortex durch noxische Reize.
Definition der „International Association for the Study of Pain ” (IASP)
- zitiert aus PAIN 6, 248-252, 1979
„Schmerz ist ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das mit aktuellen oder potentiellen Gewebsschädigungen verknüpft ist oder mit Begriffen einer solchen Schädigung beschrieben wird.“
• Schmerz ist mehr als eine reine Sinnesempfindung, sondern auch gleichzeitig ein meist unlustbetontes Gefühlserlebnis.
• Schmerz ist nicht mehr nur eine Begleiterscheinung einer Krankheit oder Verletzung, sondern mittlerweile selbst zu einer Krankheit
geworden. z.B. sind primäre Kopfschmerzen die häufigsten Kopfschmerzen. Diese sind jedoch kein Symptom, sondern bestehen
ohne klare krankhafte Veränderung.
• Es erfolgt keine Schmerzadaptation. Im Gegensatz zu anderen Sinneswahrnehmungen sinkt die Reizschwelle bei längerer
Einwirkung von Reizen.
1.)Somatischer Schmerz 
→ Oberflächenschmerz:
• von der Haut ausgehend
• 1. Schmerz : „heller Charakter“, gut lokalisierbar,
schnelles Abklingen nach Reizende
→ Tiefenschmerz:
• von Muskeln, Knochen, Gelenken und Bindegeweben
ausgehend
• dumpfer Schmerzcharakter, schlecht lokalisierbar
• kann in Umgebung ausstrahlen
• z.B. Muskelkrampf, Kopfschmerz
2.) Viszeraler Schmerz ( Eingeweideschmerz)
• bei starker und rascher Dehnung der Hohlorgane der
Eingeweide
• Spasmen oder starke Kontraktionen, verbunden mit
Ischämie ( fehlende Durchblutung)
• z.B. Blinddarmentzündung
1.) Akute Schmerzen: • Signal- und Warnfunktion für drohende oder
eingetretene Gewebsschädigungen
• gut lokalisierbar, Ausmaß des Schmerzes abhängig von
der Intensität des Reizes, rasches Abklingen
• z.B. durch Hitzereiz
2.) Chronische Schmerzen: • lang anhaltende, wiederkehrende Schmerzen
• Dauer: länger als 6 Monate
• z.B. Migräne

→ Sensorische Komponente
Lokalisation, Dauer, Intensität
→ Affektive Komponente
Unangenehme Empfindungen
→ Vegetative Komponente
Blutdruckanstieg, Schweißausbruch
→ Motorische Komponente
Fluchtreflex – Muskelverspannungen
→ Psychomotorische Komponente
Mimik, Lautäußerungen
Die Schmerzkomponenten treten normalerweise gemeinsam auf. Da jedoch unterschiedliche zentrale Bahnen und verschiedene Anteile des Nervensystems (z.B. limbisches , autonomes, motorisches NS) an deren Entstehung beteiligt sind, stehen sie im Grunde nur in loser Beziehung zueinander. Die Schmerzkomponenten können völlig unabhängig voneinander auftreten.
z.B. Zurückziehen der Hand im Schlaf aufgrund eines Schmerzreizes, ohne bewusste Schmerzempfindung.
→ Entscheidend ist der Vergleich der aktuellen Schmerzen mit den Schmerzen
der Vergangenheit und ihren damaligen Folgen ( Schmerzerfahrungen im
Gedächtnis gespeichert).
→ Schmerzbewertung: erkennende oder kognitive Komponente des
Schmerzes
Wir leiden mehr an einem Schmerz, der uns wichtig erscheint, als bei einem Schmerz, der mit gleicher Intensität auftritt, uns jedoch banal erscheint.
Normale Reaktionen auf schmerzhafte Reize müssen im frühen Alter erst erlernt werden. Erfolgt dies nicht, kann der jugendliche Organismus nicht angemessen auf solche Reize reagieren. z.B. wurde bei jungen Hunden beobachtet, dass wenn alle schmerzhaften Reize in der frühen Entwicklung von ihnen ferngehalten wurden, sie im Jugendalter immer wieder an Flammen schnüffelten ohne große Reaktionen zu zeigen (Parallelbeobachtungen bei Rhesusaffen).
• Allodynie
• Hyper- und Hypoalgesie
• Hyper- und Hypoästhesie
• Analgesie
• Projizierter Schmerz
• Neuralgie ( Kausalgie )
• Übertragener Schmerz
• Zentraler Schmerz
Autor: Christiane Brohm
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Schmidt R., Thews G., Lang F. - "Physiologie" Springer-Verlag Berlin Heidelberg New York 28.Auflage
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