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Was ist Schmerz?

1.   Einleitung

2.   Zentralnervöse Weiterleitung und Verarbeitung

3.   Schmerzcharakterisierung

4.   Qualitäten des Schmerzes

5.   Dauer des Schmerzes

6.   Schmerzkomponenten

7.   Schmerzbewertung

8.   Häufige Schmerzformen

9. Quellen

 

1. Einleitung

 

Vertebraten besitzen ein neuronales nozizeptives System, das drohende und aktuelle Gewebeschädigungen anzeigt und Abwehrreaktionen auslöst.

Noxische Reize sind Reize, die gewebeschädigend oder potentiell gewebeschädigend sind. Sie lösen vegetative, v.a . sympathische Reflexe aus.

Die Aufnahme, Weiterleitung und Verarbeitung noxischer Information durch das periphere und zentrale Nervensystem wird als Nozizeption (objektive Sinneswahrnehmung) bezeichnet. Nozizeption ist die Aktivität der peripheren/zentralvenösen Neuronengruppen, die zu Schmerz (subjektive Sinneswahrnehmung) führen kann. Der Schmerz hingegen ist ein Bewusstseinszustand.

 

Die Haut besitzt Schmerzpunkte. Dies ist ein eindeutiger Hinweis, dass der Schmerz über eigene Sensoren, die Nozizeptoren verfügt.

 

 

 

 

2. Zentralnervöse Weiterleitung und Verarbeitung

 

    Im Rückenmark enden die nozizeptiven Afferenzen

  an Neuronen des Hinterhorns.

  Von dort aus ziehen Bahnen in Richtung Hirnstamm.

  Dort vereinigen sie sich mit den

  nozizeptiven Afferenzen aus dem Kopfbereich

  auf dem Weg zum Thalamus .

  Eine wesentliche Voraussetzung für das bewusste

  Schmerzerlebnis ist die Aktivierung

  der aufsteigenden Bahnen nozizeptiver Neurone

  im Thalamus und Kortex durch noxische Reize.

 

3. Schmerzcharakterisierung

 

Definition der „International Association for the Study of Pain ” (IASP)

- zitiert aus PAIN 6, 248-252, 1979

 

„Schmerz ist ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das mit aktuellen oder potentiellen Gewebsschädigungen verknüpft ist oder mit Begriffen einer solchen Schädigung beschrieben wird.“

 

• Schmerz ist mehr als eine reine Sinnesempfindung, sondern auch gleichzeitig ein meist unlustbetontes Gefühlserlebnis.

• Schmerz ist nicht mehr nur eine Begleiterscheinung einer Krankheit oder Verletzung, sondern mittlerweile selbst zu einer Krankheit  

  geworden. z.B. sind primäre Kopfschmerzen die häufigsten Kopfschmerzen. Diese sind jedoch kein Symptom, sondern bestehen  

  ohne klare krankhafte Veränderung.

• Es erfolgt keine Schmerzadaptation. Im Gegensatz zu anderen Sinneswahrnehmungen sinkt die Reizschwelle bei längerer  

  Einwirkung von Reizen.

 

 

4. Qualitäten des Schmerzes

  1.)Somatischer Schmerz

       → Oberflächenschmerz:

                                      • von der Haut ausgehend

                                       • 1. Schmerz : „heller Charakter“, gut lokalisierbar,  

                                                                schnelles Abklingen nach Reizende

                                       • 2. Schmerz : „dumpfer, brennender Charakter“,  
                                                     schwer lokalisierbar, langsames Abklingen
                                       • z.B. Nadelstich: erster Pick (1. Schmerz), nach  
                                                       0,5-1,0 s folgt Brennen (2. Schmerz)
 

       → Tiefenschmerz:

                                    • von Muskeln, Knochen, Gelenken und Bindegeweben             

                                       ausgehend

                                     • dumpfer Schmerzcharakter, schlecht lokalisierbar

                                     • kann in Umgebung ausstrahlen

                                     • z.B. Muskelkrampf, Kopfschmerz

 

2.) Viszeraler Schmerz ( Eingeweideschmerz)

                                      • bei starker und rascher Dehnung der Hohlorgane der  

                                         Eingeweide

                                      • Spasmen oder starke Kontraktionen, verbunden mit  

                                        Ischämie ( fehlende Durchblutung)

                                      • z.B. Blinddarmentzündung

 

 

5. Dauer des Schmerzes

 

1.) Akute Schmerzen:     • Signal- und Warnfunktion   für drohende oder                 

                                      eingetretene Gewebsschädigungen

                                     • gut lokalisierbar, Ausmaß des Schmerzes abhängig von  

                                      der Intensität des Reizes, rasches Abklingen

                                     • z.B. durch Hitzereiz

 

2.) Chronische Schmerzen:    • lang anhaltende, wiederkehrende Schmerzen

                                            • Dauer: länger als 6 Monate

                                            • z.B. Migräne

 

 

6. Schmerzkomponenten                                           

Sensorische Komponente

                  Lokalisation, Dauer, Intensität

Affektive Komponente

                  Unangenehme Empfindungen

Vegetative Komponente

                  Blutdruckanstieg, Schweißausbruch

Motorische Komponente

                  Fluchtreflex – Muskelverspannungen

Psychomotorische Komponente

                   Mimik, Lautäußerungen

 

Die Schmerzkomponenten treten normalerweise gemeinsam auf. Da jedoch unterschiedliche zentrale Bahnen und verschiedene Anteile des Nervensystems (z.B. limbisches , autonomes, motorisches NS) an deren Entstehung beteiligt sind, stehen sie im Grunde nur in loser Beziehung zueinander. Die Schmerzkomponenten können völlig unabhängig voneinander auftreten.

z.B. Zurückziehen der Hand im Schlaf aufgrund eines Schmerzreizes, ohne bewusste Schmerzempfindung.

 

 

7. Schmerzbewertung

 

→ Entscheidend ist der Vergleich der aktuellen Schmerzen mit den Schmerzen  

     der Vergangenheit und ihren damaligen Folgen ( Schmerzerfahrungen im

     Gedächtnis gespeichert).

→ Schmerzbewertung: erkennende oder kognitive Komponente des  

     Schmerzes

 

Wir leiden mehr an einem Schmerz, der uns wichtig erscheint, als bei einem Schmerz, der mit gleicher Intensität auftritt, uns jedoch banal erscheint.

 

Normale Reaktionen auf schmerzhafte Reize müssen im frühen Alter erst erlernt werden. Erfolgt dies nicht, kann der jugendliche Organismus nicht angemessen auf solche Reize reagieren. z.B. wurde bei jungen Hunden beobachtet, dass wenn alle schmerzhaften Reize in der frühen Entwicklung von ihnen ferngehalten wurden, sie im Jugendalter immer wieder an Flammen schnüffelten ohne große Reaktionen zu zeigen (Parallelbeobachtungen bei Rhesusaffen).

 

 

8. Häufige Schmerzformen:

 

• Allodynie

• Hyper- und Hypoalgesie

• Hyper- und Hypoästhesie

• Analgesie

• Projizierter Schmerz

• Neuralgie ( Kausalgie )

• Übertragener Schmerz

• Zentraler Schmerz

 

Autor: Christiane Brohm

 

9. Quellen:

 

Dudel J., Menzel R., Schmidt R. - "Neurowissenschaft"  Springer-Verlag Berlin Heidelberg New York   

Schmidt R., Thews G., Lang F. - "Physiologie" Springer-Verlag Berlin Heidelberg New York 28.Auflage

Schmidt R., Schaible H. – "Neuro- und Sinnesphysiologie" Springer-Verlag Berlin Heidelberg New York 4.Auflage

www.wissen.de

www.orthopedia-shop.de

 

Weitere Referate zu diesem Themenbereich:

 

Schmerzsinneszellen

Schmertherapie

Schmerz und Entzündungen

 

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