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Seminar: Biologie der Drogenabhängigkeit, SS 05
Leitung: Prof. Stephan Frings, PD Dr. Blanche Schwappach

 

Grundlegendes zu Opiaten

Opiate sind die natürlichen Alkaloide des Opiums, dem getrockneten Milchsaft des Schlafmohns Papaver somniferum (Abb.1), der 25 verschiedene Alkaloide enthält.
 

Abb.1: P. somniferum; Pflanze und Samenkapsel

Rohopium wird durch Trocknung des zunächst rosaroten Milchsaftes, der beim Anritzen unreifer, ausgewachsener Samenkapseln (Abb. 1) austritt und dann zu einer braunschwarzen Masse oxidiert wird, gewonnen. Die Weiterverarbeitung zu Rauchopium, die der Anreicherung der Alkaloide dient, erfolgt durch Erhitzen, Rösten, Wasserextraktion und mehrmonatige Fermentation mit dem Schimmelpilz Aspergillus niger.
Ein Opioid ist jeder natürliche oder synthetische Wirkstoff, der als Ligand an Opioid-Rezeptoren bindet und eine morphinanaloge Wirkung hervorruft. Die Einteilung erfolgt in vier Klassen:

a) endogene Opioid-Peptide (z.B. Endorphin)
b) Opium-Alkaloide (z. B. Morphin, Abb.2)
c) Halbsynthetische Opioide (z.B. Heroin)
d) Vollsynthetische Opioide (z.B. Methadon)
 

Die Opioid-Rezeptoren, bei denen der µ-, δ- und κ-Typ (Tab.1) unterschieden wird, befinden sich in den Schmerzbahnen des peripheren und zentralen Nervensystems und gehören zum körpereigenen System der Schmerzunterdrückung. Diese membrangebundenen Proteine bestehen aus 370 bis 400 Aminosäuren und sind G-Protein gekoppelt. Sie besitzen sieben Transmembranhelices, die durch Loops verbunden sind, einen extrazellulären N- einen intrazellulären C-terminus (Abb. 3).

Der zelluläre Wirkmechanismus bei Bindung eines Opioids erfolgt bei µ- und δ-Rezeptoren über präsynaptische Hemmung der Transmitterfreisetzung durch Inaktivierung von Ca2+-Kanälen und beim κ-Rezeptortyp durch postsynaptische Hemmung der Adenylatcyclase, so dass die K+-Leitfähigkeit erhöht, die cAMP-Produktion  und Ca2+-Leitfähigkeit jedoch herabgesetzt werden. Beide Mechanismen unterdrücken demnach die Weiterleitung des Schmerzsignals.
                                                                                         (Sarah Kahnert)

Tab1: Opioidrezeptoren und ausgewählte (Ant-)Agonisten

Abb.3: Aminosäurenstrukltur des µ-Opioidrezeptors

Regulation of Opioid Receptor Trafficking and Morphine Tolerance by Receptor Oligomerization
Li He, et al.

- Zusammenfassung -

Die Wirkung von Morphium gegen chronische Scmerzen ist behindert durch eine Toleranzentwicklung gegenüber dem Wirkstoff.

Morphium ist
das einzige Opiat, das den µ-Opioid Rezeptor (MOR) aktiviert ohne eine Desensibilisierung und Endocytose des Rezeptors zu induzieren.

In dem Paper wird gezeigt, dass [D-Ala2-MePhe4-Gly5-ol] Enkephalin (DAMGO) die Fähigkeit von Morphium fördern kann, MOR Endocytose zu induzieren.
Ra
tten, die mit beiden Drogen behandelt wurden, zeigen eine Abnahme der Morphiumtoleranz im Vergleich zu den anderen Ratten, die nur mit Morphium behandelt wurden.
Diese Ergebnisse zeigen, dass die MOR Endocytose die Toleranzentwicklung vermindern kann.                                                                   (Luis Barniol)

Abb.2: Morphin, Strukturformel

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