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Seminar: Biologie der Drogenabhängigkeit, SS 05
Leitung: Prof. Stephan Frings, PD Dr. Blanche Schwappach

 

Therapien bei Drogenabhängigkeit, Beispiel: Heroin

Ein Suchtpatient sollte sich aus freien Stücken zur Entgiftung und Entwöhnungstherapie  entschließen. Bei einer Behandlung gegen den Willen fehlt häufig die Motivation und Mitarbeit des Patienten, so dass die Erfolgsaussichten deutlich geringer sind.
Es gibt verschiedene Therapien gegen Drogenabhängigkeit:

Verhaltenstherapie
In der Kognitiven Therapie hilf ein speziell ausgebildeter Therapeut typische Gedanken,  Gefühle und Verhalten bei einer Person mit Abhängigkeitsproblemen und Suchtverhalten zu  identifizieren, die zu  Rückfällen, Sucht- und anderem unerwünschten Verhalten führen. Der Therapeut versucht dabei gemeinsam mit dem Patienten neue Verhaltenweisen einzuüben, die Rückfall vermeiden helfen. Der Klienten lernt so auch, mit dem starken Suchtdrang umzugehen. Ein Therapeut wird seinem Klienten auch vermitteln, wie ein Leben ohne Sucht aussehen könnte und wieder Lebensqualität aufgebaut werden kann. Da viele Süchtige häufig Drogen zum Unterdrücken von unangenehmen Gefühlen verwenden, ist ein Ziel der Therapie häufig auch zu lernen, mit diesen Gefühlen oder Spannungen in einer konstruktiven Art und Weise umzugehen.

L-Polamidontherapie (Methadon)
L-Polamidon (Methadon) ist ein synthetisches Opiat. Es kann oral eingenommen werden und wirkt länger als Opiate (ca. 24-30 Stunden). Der Vorteil ist, dass der Körper nicht so schnell nach einer neuen Dosis verlangt. Ein weiterer Vorteil ist, dass Methadon „sauber“ ist und oral verabreicht wird. Zwar bekämpft es sehr wirksam die Entzugserscheinungen anderer Opiate, macht aber selbst abhängig.
Das L-Polamidonprogramm wurde deshalb eingefürt, weil man den vermehrt an AIDS erkrankten Abhängigen aus gesundheitlichen Gründen keinen Entzug zumuten konnte.

Die Behandlung unter Narkose
In einigen Kliniken wird die Behandlung von Heroinabhängigkeit mit Hilfe von einer Narkose noch angewendet. Diese Behandlung umfasst zwei Phasen. In der ersten Phase bekommt der Patient eine Vollnarkose und ihm wird Naltrexone verabreicht, das sofort die Wirkung des Heroins blockiert. Der Konsument bekommt ernsthafte Entzugserscheinungen, von denen er aber aufgrund der Betäubung nichts mitbekommt. In Phase zwei nimmt der Patient für zehn Monate weiter Naltrexone, um einem Rückfall vorzubeugen. Da  Naltroxene die Heroinwirkung abblockt, ist es nutzlos Heroin zu nehmen. Nach einer langen Zeit der Naltroxeneeinnahme sinkt das Bedürfnis  nach Heroin.
                                                                                         (R. Tetyana?)

The role of withdrawal in heroin addiction: enhances reward or promotes avoidance?

D. M. Hutcheson, B. J. Everitt, T. W. Robbins and A. Dickinson

Avoidance Theorie

1. Abstinenz von Drogen führt zu Entzugserscheinungen, es wird versucht diese zu vermeiden
2. Zwanghafte Natur der Selbstverabreichung
3. Vermeiden der Plätze, die mit dem Drogenentzug in Verbindung stehen aktive Vermeidung   des unangenehmen Gefühles des Entzuges

Incentive – motivational Theorie
Vergleicht den Drogenentzug mit dem Hunger:
1. Entzugszustand lässt nicht sofort das heroinsuchende Verhalten ansteigen.
2. Tiere müssen während dem Entzugszustand den steigenden Anreizwert von Heroin erlernen, indem sie zuvor schon einmal Drogen im Entzugszustand bekommen hatten. Da hungrige Ratten nicht direkt ihre Futtersuche erhöhen, wenn sie von einem gesättigten Zustand in einen hungrigen versetzt werden, müssen sie den anreizenden Wert von Futter im Entzugszustand erlernen. Deshalb wird erforscht ob die Heroinsuche während dem Entzugszustand auch von dem Prozess des anreizenden Lernens abhängt.

Heroinsuchendes Verhalten:
Zu Beginn des Versuches wurden die Ratten darauf trainiert sich selbst Heroin zu verabreichen. Ein einfacher Druck auf den drug-taking Hebel liefert den Ratten eine Drogeninfusion. Wahrend einer time-out Periode wurden beide Hebel (drug-taking und seeking) zurückgezogen. Danach wurde wieder der drug-seeking Hebel präsentiert und ein neuer Such und Aufnahme Zyklus beginnt. Um einen Auszeitwert festzusetzen unter welchem die Drogensuche den antreibenden Wert von Heroin widerspiegelt, wurden die Antworten bei einer hohen und einer niedrigen Dosierung, ohne Auszeit und mit einer 24min Auszeitperiode verglichen. Der Versuch ergab, dass Ratten die Drogensuche bei einer höheren Dosis schneller einleiteten, wenn sie nach jeder Infusion eine Auszeit erfahren haben.

Anreizendes Lernen während dem Opiatentzug:
Dieser Versuch wurde in vier verschiedene Phasen eingeteilt:
1 Phase: Eine Gruppe von Ratten wurden darauf trainiert sich Heroin zu verabreichen nach dem seeking-taking Plan. 2. Phase: Nach der Selbstverabreichung erhielten die Ratten zweimal am Tag eine Injektion von Morphinhydrochlorid, in Salz gelöst, in die Peritonealhöhle in ansteigenden Dosen von 8-30mg/kg über 3 Tage. Danach dauerhaft 30 mg/kg Morphin morgens und abends. Dieser Morphin-maintenance Plan führt zu einer physischen Abhängigkeit.
3 Phase: In dieser Phase wurde der spontane Entzug eingeleitet. Die Morphininjektion am Abend und die am darauf folgenden Morgen wurde durch eine salzhaltige Injektion ersetzt. Taking session 1 (anreizendes Lernstadium): Die erste Heroingruppe bekommt im Entzugsstadium Heroin (erfahren den anreizenden Wert der Droge im Entzugszustand), die andere Salz. Die erste Salzgruppe (Kontrollgruppe) erhielt Salz oder blieb in ihrem Käfig. Taking session 2 (maintained Stadium): Die erste Heroingruppe konnte sich Salz verabreichen, die zweite blieb im Käfig. Beide Salzgruppen konnten sich Heroin verabreichen. In der 4. Phase wurde die Anzahl der Drogensuchantworten im Entzugszustand und im maintained Zustand gemessen.

Die Analysen zeigten, dass die Gruppen, die im Entzugszustand Erfahrungen mit Heroin hatten die Drogensuche schneller einleiteten als die ohne Drogenerfahrungen. Die Ergebnisse unterstützen die incentive-motivational Hypothese über das heroinsuchende Verhalten während dem Opiatentzug. Jedoch ist es noch unklar, ob der anreizende Lerneffekt so einfach erklärt werden kann.
                                                                                           (Katja Großhans)

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